Wie arbeitet eine Intervisionsgruppe?


1. Die Gruppe sitzt im Kreis, so dass jeder jeden sehen kann.

2. Es wird zu Beginn eine Person bestimmt, die den Auftrag hat, die Zeit zu verwalten und vor allem durch klare, freundliche Führung das strukturierte Vorgehen der Gruppe bewahrt.

3. Das erste Paar wird bestimmt.

4. Dieses Paar vereinbart, wer mit dem spontanen Bericht über die vergangenen Zwiegespräche beginnt.

5. Der oder die Erste beginnt nun und hat für den Bericht 5 Minuten Zeit zur Verfügung – was eine sehr lange Zeit bedeutet. Thema ist der Verlauf der Zwiegespräche, das Auf und Ab sowie alles, was im Zusammenhang mit der Methode dieser wesentlichen Dialoge auftritt. Beispielsweise berichtet ein Paar, dass es von den Zwiegesprächen begeistert ist, diese Dialoge jedoch nur unregelmäßig stattfinden. Thema sind nicht die persönlichen Eheprobleme dieses Paares. Dies ist ein ganz entscheidender Punkt, da die Versuchung sehr groß ist, aus einer Intervisionsgruppe unversehens eine Selbsterfahrungsgruppe zu machen. Natürlich überlappen sich die seelischen Probleme einer Partnerschaft mit dem Verfahren der Zwiegespräche – beispielsweise in Gestalt aggressiver Ausbrüche –, doch sollte strikt darauf geachtet werden, dass im Mittelpunkt die Art und Weise und der Ablauf der Zwiegespräche stehen.

6. Nach 5 Minuten bemerkt der Zeitverwalter bzw. Moderator etwa mit einem Satz »Die Zeit ist nun um«, dass der zweite Partner an der Reihe ist.

7. Dem nächsten Partner stehen wieder 5 Minuten zur Verfügung, so dass jedes Paar 10 Minuten für den Bericht hat.


8. Nun wechselt das Geschehen vom Bericht zum Feedback. Das Feedback ist eine Rückmeldung der anderen Gruppenmitglieder auf den Bericht. Diese Bemerkungen sollten möglichst gefühlsnah und aus dem Erleben der eigenen Zwiegespräche erfolgen. Allerdings ist dabei zu beachten, dass man den Schwerpunkt nicht unversehens auf die eigene Situation verschiebt. Ein Feedback soll einen Aspekt des ursprünglichen Berichtes widerspiegeln. Die Rückmeldung dient also erstens dem berichtenden Paar und zweitens der Erfahrung aller beteiligter Personen. Nach Möglichkeit sollten Bewertungen vermieden werden, was jedoch in der Praxis selten vollständig möglich ist.

9. Der Moderator/die Moderatorin lässt etwa mit dem Satz »Jetzt beginnt das Feedback« die Reihe der Rückmeldungen beginnen. Der Einfachheit halber ist es am günstigsten, gleich mit einer der nächstsitzenden Personen zu starten, beispielsweise im Uhrzeigersinn.

10. Ein einzelnes Feedback sollte maximal ungefähr 2 Minuten betragen, weil sonst die Gleichbehandlung, das heißt die Gerechtigkeit, für die Paare aus den Fugen gerät. Denn bei den üblichen 6 Paaren pro Gruppe stehen 5 Paare, d.h. 10 Personen, für das Feedback zur Verfügung. Wenn jeder 2 Minuten spricht, sind 20 Minuten Zeit für das Feedback verstrichen. Zusammen mit dem 10minütigen Bericht macht das eine halbe Stunde pro Paar.

11. Zehn Rückmeldungen auf den eigenen Bericht vertiefen und erweitern das Verstehen dessen, was in den Zwiegesprächen geschehen ist. Sie intensivieren auf kaum zu überschätzende Weise durch lebendiges Lernen den Entwicklungsprozess, den jedes Paar in den Zwiegesprächen durchläuft, und stärken die Bindung an diese Zwiegespräche und ihre Struktur. Dabei lernt jede Person – ob es sich um den eigenen Bericht handelt oder den der anderen; ob es die Formulierung des eigenen Feedbacks ist oder das Hören der anderen Rückmeldungen –, ununterbrochen über die gesamte vereinbarte Zeit und erhöht damit ihre Chance zur Selbstentwicklungsfähigkeit. Das Erleben und Mitvollziehen der Vorgänge, die in dieser Intervisionsgruppe zur Sprache kommen, ist immer ein tiefgreifender Lernprozess, den man sich insbesondere dann gönnen sollte, wenn man seine Chancen optimal ausschöpfen möchte oder vom Abbrechen bedroht ist.


12. Nach der ersten halben Stunde des ersten Paares strukturiert der Moderator/die Moderatorin wieder den Ablauf der Intervisionssitzung, etwa mit den Worten »Nun folgt das nächste Paar«. Das kann irgend ein zweites Paar aus der Gruppe sein. Die erwähnte andere Möglichkeit besteht darin, die Reihenfolge im Uhrzeigersinn nach dem ersten Paar fortzusetzen.

13. Wenn 3 Paare ihre je halbe Stunde hinter sich haben, sind 1 1/2 Stunden vergangen. Jetzt muss die Intervisionsgruppe wenigstens 1/4 Stunde Pause machen (es kann natürlich auch eine größere Unterbrechung beispielsweise für ein Mittagessen sein).

14. Eine Ausnahme von dieser bedeutenden 90-Minuten-Regelung kann für Intervisionsgruppen mit 4 Paaren gemacht werden. Sie hätten mit 4 Paaren insgesamt eine 2-stündige Sitzung.

15. Besteht die Intervisionsgruppe aus mehr als 4 Paaren, regelt der Moderator/die Moderatorin mit freundlicher Bestimmtheit die Pausenzeit.

16. Es folgen dann bei einer üblichen Gruppe von 6 Paaren die nächsten 3 Paare.

17. Zum Abschluss der Intervisionsgruppe sollte der nächste Termin und der nächste Ort noch einmal für alle Paare genannt werden.

Dies ist also das Vorgehen der Gruppe im Detail.


Organisatorisches:

Jedes Paar sollte eine Fotokopie des vorgedruckten Blattes haben, auf dem alle anderen Paare mit Adresse und Telefonnummer vermerkt sind. Nur so ist eine schnelle Kommunikation untereinander möglich. Es empfiehlt sich im übrigen, sich einen phantasievollen Namen als Gruppe zu geben, um die einzelnen Gruppen voneinander gut unterscheiden zu können.

Sollte ein Paar ausscheiden wollen, gehört es zur Solidarität in der Gruppe, den anderen Bescheid zu geben. Leichzeitig sollte das Paar beim überregionalen Organisationsbüro per Fax (069-461801) bzw. per eMail an fatia@dyalog.de Bescheid geben. So ist die Möglichkeit eröffnet, ein neues Paar, das während des Jahres zwischen den Seminartagen teilnehmen möchte, zu vermitteln. Alle Wünsche und besonderen Fragen können ebenfalls an das Organisationsbüro gerichtet werden.


Dauer von Interventionsgruppen:

Unsere Erfahrungen gehen dahin, dass ein Zwiegesprächs-Paar wenigstens 2 Jahre an einer Intervisionsgruppe teilnehmen sollte, um in seinem Entwicklungsprozess soweit zu kommen, dass der innere Widerstand die Selbstentwicklung zu zweit nicht allzu sehr behindert oder gar unterbricht. Seit Einführung der Intervisionsgruppen sanken beispielsweise in einem Zwiegesprächs-Netz die Abbrecherquoten von ursprünglich 50% ohne Intervisionsgruppen auf 10% nach Einführung der Intervisionsgruppen. 

Intervisionsgruppen stützen neben der Erweiterung der Erfahrung und der Kenntnisse vor allem den Selbstentwicklungsprozess durch die erlebte Solidarität und Gemeinschaft mit anderen Paaren, und durch die geheime Entlastung von Schuldgefühlen, dass man mit Zwiegesprächen sich selbst privilegiert. Diese Schuldgefühle, sich durch eigene Arbeit etwas Gutes zukommen zu lassen, sind die stärkste Gegenkraft gegen die kontinuierliche »Selbstinvestition« in die Zwiegespräche.

Im übrigen: Wer einmal abgebrochen hat, sollte sich nicht entmutigen lassen. Jedes Paar kann zu jeder Zeit wieder neu starten.

3 zentrale Störungsmomente bei der Intervisionsgruppenarbeit sind zu vermeiden:

  • Die Zeitstruktur wird mangels stabiler Führung nicht eingehalten
  • Statt die Zwiegespräche - also das Verfahren - zu erörtern, gleitet der Erfahrungsaustausch in eine Bearbeitung der Eheproblematik hinüber. Das kann und soll diese Gruppe nicht leisten.
  • Beim Feedback wird unversehens die eigene Situation in den Mittelpunkt gestellt, anstatt eine Rückmeldung auf den gehörten Bericht zu bieten.

Selbstentwicklungsprozess:
Intervisionsgruppen stützen neben der Erweiterung der Erfahrung und der Kenntnisse vor allem den Selbstentwicklungsprozess durch die erlebte Solidarität und Gemeinschaft mit anderen Paaren.

Im übrigen:
Wer einmal abgebrochen hat, sollte sich nicht entmutigen lassen. Jedes Paar kann zu jeder Zeit wieder neu starten.